Mit einer kleinen Abordnung aus Mitgliedern des Bauausschusses und des Bildungs- und Kulturausschusses sowie des Rates besuchte die SPD-Fraktion den Kindergarten in Wiehagen und ließ sich von der Leiterin Frau David die Gegebenheiten vor Ort zeigen. Hintergrund sind die im gemeindlichen Haushalt 2022 aufgeführten Pläne der Verwaltung, den Kindergarten in den Jahren 2023 und 2024 abreißen zu lassen und durch einen Neubau zu ersetzen, was nach bisheriger Schätzung insgesamt 2,5 Mio € kosten soll – eine sehr hohe Summe für den Gemeindehaushalt. Zwar hat der Rat bisher nicht über das Thema beraten, doch schon die klare Ankündigung der Verwaltung im gemeindlichen Haushalt hat bei einigen Eltern für Unsicherheit gesorgt. Die SPD-Fraktion hatte frühzeitig die Sinnhaftigkeit dieser Vorgehensweise mit hohen Kosten hinterfragt, da mit einem Neubau an gleicher Stelle bei derzeitiger Planung wohl keinerlei weiteren Plätze für mehr Kinder geschaffen würden.

Kindergarten Wiehagen

Renovierungsbedürftigen Zustand vor Ort festgestellt

Im Rahmen der Ortsbegehung stellten die Fraktionsmitglieder fest, dass es ohne Zweifel in dem fast 60 Jahre alten und einst als Volksschule errichteten Gebäude dringende Renovierungsbedarfe gibt, so zum Beispiel die Einrichtungen für die Mitarbeiter oder die Größe des Speisesaals für Kinder. Auch die sanitären Anlagen verfügen gerade für kleinere Kinder über zu hohe Waschbecken und sind in insgesamt nicht mehr zeitgemäßem Zustand. Dass der Wickelraum innenliegend und fensterlos ist, ist auch ein Zustand, der nur schwer tragbar ist. Dazu kommen viele weitere kleinere und verständliche Wünsche der Einrichtung, die die Aufenthaltsqualität vor allem für die Kinder weiter steigern könnten.

Grundsätzliche Erhaltungswürdigkeit gegeben

Dem gegenüber stehen die grundsätzlich gute Substanz und die großzügigen weiteren Räumlichkeiten der Einrichtung. Insbesondere der große Sportraum sei bei den Kindern sehr beliebt. Auch für Werken und Handarbeit gibt es einen eigenen Raum, zudem werden die großen Außen-Spielflächen sehr geschätzt. Was davon bei einem Neubau weiter Bestand hätte, ist unklar.

Prüfauftrag an die Verwaltung und Vor-Ort-Termin bei nächster Sitzungswelle

Die SPD-Fraktion hat daher die Verwaltung gebeten, Maßnahmen zu prüfen, die eine Renovierung im Bestand denkbar erscheinen lassen. So gibt es einen derzeit quasi ungenutzten Innenhof, den man möglicherweise durch Umbau in das reguläre Gebäude einbinden könnte. Dieser könnte ein neuer und geräumigerer Speisesaal werden und so an anderer Stelle Platz für mehr Sozialflächen für Mitarbeiter schaffen. Auch ein kleiner Flur am nord-östlichen Eingang, der als Sackgasse endet, könnte aufgegeben werden, um die daneben liegenden Räume wie den Wickelraum und die Personaltoilette bis zur Außenwand zu erweitern und so auch mit Fenstern ausstatten zu können. Die Sanitäreinrichtungen für die Kinder könnten im Bestand saniert werden. Sollten diese Maßnahmen aus architektonischen oder ähnlichen Gründen nicht möglich sein, so wäre ein kleiner Anbau in süd-westlicher Richtung als Ergänzung zur Sanierung im Bestand immer noch zielführender als ein kompletter Neubau.

Aus SPD-Sicht könnten diese Maßnahmen vermutlich deutlich schneller und kostengünstiger durchgeführt werden als ein Neubau. Auch sind für eine Sanierung Fördermittel z.B. für energetisch Sanierung realistischer als für einen Neubau ohne Schaffung signifikanter neuer Plätze. Die „Übergangszeit“, in der die Kinder möglicherweise an anderer Stelle betreut werden müssten, dürfte bei einem Umbau kürzer ausfallen als einem Abriss und Neubau. Zuletzt würde auch der im Keller befindliche Schutzraum und die „Sängerstube“ als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft erhalten bleiben. Um die Situation vor Ort gemeinsam zu begutachten, hat die SPD-Fraktion bei der Verwaltung einen gemeinsamen Ortstermin von Bau- und Bildungs-/Kulturausschuss im Rahmen der nächsten Sitzungswelle im Juni angeregt.

Text: Julian Bräker, Foto: Engelbert Gurka